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Hydrophobierung


Allgemeines - das Wirkungsprinzip


Einen Baustoff zu hydrophobieren bedeutet ihn wasserabweisend zu machen, oder zumindest seine Wasseraufnahme zu reduzieren. Der hydrophobierende Wirkstoff belegt die inneren Poren- und Kapillaroberflächen und macht sie dadurch wasserabweisend. Die Poren und Kapillaren werden dabei aber nicht verschlossen, das heißt, dass die Diffusionsfähigkeit (Atmungsaktivität) des Baustoffes so gut wie unverändert erhalten bleibt.

Hydrophobierung

Alle Hydrophobierungsmittel auf Basis siliciumorganischer Verbindungen brauchen für die Reaktion zum endgültigen Wirkstoff (Siliconharz) Feuchtigkeit, die aber auf jedem Baustoff in ausreichender Menge vorhanden ist (adsorbiert). Zur optimalen Wirksamkeit gehört es auch, dass die Siliconharzmoleküle chemisch fest auf der Baustoffoberfläche gebunden werden und ihre wasserabstoßenden Molekülteile (die Kohlenwasserstoffketten) in den freien Porenraum hinein recken können:

Produktübersicht - die verschiedenen Wirkstoffe

Die allermeisten am Markt befindlichen Hydrophobierungsmittel bestehen aus einem Gemisch mehrerer der genannten Wirkstoffe und diverser Hilfsstoffe. Es werden jedoch auch Mischungen mit ganz anderen Substanzen (vorwiegend organischen Harzen, Kieselsäureestern, Titanestern u.ä., meist zur Implementierung einer verfestigenden Wirkung) gehandelt. Auf diese Wirkstoffe wird hier zwar nicht weiter eingegangen weil es hier um die hydrophobierende Wirkung geht, aber grundsätzliches findet sich im Abschnitt Hydrophobierung mit gleichzeitiger Verfestigung.

a) Alkoxysilane (vereinfacht oft "Silane" genannt)

Unter Silanen werden im Bautenschutz die Alkylalkoxysilane verstanden, während "anhydrolisierte Silane" wiederum eher zu den Alkylalkoxysiloxanen gehören. Im Handel sind sie anzutreffen:

• gelöst in wasserfreien Alkoholen (z.B. Isopropanol)
• gelöst in aliphatischen Lösemitteln
• emulgiert in Wasser (z.B. das Triethoxyoctylsilan)


b) Alkoxysiloxane (oft einfach nur "Siloxane" genannt)

Es gibt oligomere und polymere Siloxane, sprich: Produkte mit kleinen und großen Molekülen. Im Handel anzutreffen:

• Gelöst in aliphatischen Lösemitteln.
• Emulgiert in Wasser.
• Als Microemulsionskonzentrat (Silane und oligomere Alkoxysiloxane im Gemisch).
• Bei Silicon-Mikroemulsionskonzentraten (SMK) handelt es sich um ein 100%iges Siliconprodukt, das mit Wasser verdünnbar ist und dabei spontan eine Microemulsion bildet.

c) Siliconharze (Alkylpolysiloxane)

d) Alkalisiliconate

Es sind hochalkalische Lösungen von Kaliumsiliconat und sie reagieren, auf den Baustoff aufgetragen, mit dem Kohlendioxid der Luft, wobei dann ein Silanol als Zwischenstufe entsteht und diese weiter zum Silikonharz reagiert. Dabei entsteht Kaliumcarbonat (Pottasche, K2CO3) als Nebenprodukt, das sich dann als weißer Belag auf der Oberfläche störend bemerkbar machen kann und speziell bei Fassaden stören würde.

Angewendet werden die Produkte vorwiegend zur werkseitigen Imprägnierung von Ziegeln, Gasbeton und ähnlichen Baustoffen, sind aber auch vielfach in Injektagemitteln für nachträgliche Horizontalsperren enthalten (dort meist in Kombination mit Wasserglas). Zu empfehlen sind diese Produkte nur für die nachträgliche Imprägnierung von Gipsbaustoffen (wenn z.B. irrtümlich "weiße" GKP eingebaut wurden, anstatt der "grünen" oder nur Teilbereiche hydrophobiert werden sollen).

Alle vier Wirkstoffe ergeben letztendlich ein Siliconharz als Reaktionsprodukt auf der Baustoffoberfläche:

Reaktion mit Feuchtigkeit
Silan -----------------------------------> Siliconharz
Molekülvergrößerung

Reaktion mit Feuchtigkeit
Siloxan -----------------------------------> Siliconharz
Molekülvergrößerung

Verdunsten des Lösungsmittels
Siliconharz -----------------------------------> Siliconharz

Reaktion mit CO2 der Luft
Siliconat -----------------------------------> Siliconharz
Molekülvergrößerung

Unabhängig davon, welchen Typ Hydrophobierungsmittel man verwendet, entsteht bei allen als Endprodukt ein Siliconharz - die Molekülgröße dieses Siliconharzes kann jedoch sehr unterschiedlich sein, je nachdem, welche der genannten Ausgangsstoffe man einsetzt. Das ist hier nur von untergeordneter Bedeutung, soll aber nicht unerwähnt bleiben. Die gesamte Darstellung hier ist immerhin stark vereinfacht.

Hilfsstoffe Zu den Hilfsstoffen zählen neben dem Lösungsmittel auch Emulgatoren, Konservierungsmittel und Katalysatoren. Gängige Lösungsmittel sind Testbenzine, Isoparaffine und Alkohole (Isopropanol, Isobutanol), wobei der Trend zu den geruchsarmen Isoparaffinen und entaromatisierten Testbenzinen geht. Lösungsmittel mit einem merklichen Gehalt an Aromaten (Toluol, Xylole, Ethylbenzol, Trimethylbenzol u.ä.) sind aus gesundheitlicher Sicht sehr bedenklich.

Um rasche Wirkung zu entfalten, enthalten lösungsmittelverdünnte Mittel in einigen Fällen metallorganische Kondensationskatalysatoren [2].

Die wasserverdünnbaren Hydrophobierungsmittel enthalten zwingend Emulgatoren (wobei die unterschiedlichsten Typen eingesetzt werden, bis hin zu siliciumorganischen Verbindungen, die dem eigentlichen Wirkstoff sehr ähnlich sind) ebenso wie Konservierungsstoffe, die zugegeben werden müssen, um die Lagerfähigkeit zu gewährleisten.

Produktübersicht - die verschiedenen Zubereitungsformen

a) Imprägnier-Emulsionen, wässrig

Es handelt sich um lösemittelfreie, wasserbasierte Emulsionen aus Kombinationen von Silanen und/oder Siloxanen. Es gibt auch wasser- und lösemittelfreie Konzentrate auf dem Markt, die vor der Verarbeitung erst mit Wasser verdünnt und dabei emulgiert werden (sogen. Mikroemulsionen).

b) Imprägnier-Paste

Das sind hochviskose (genauer: thixotrope) Emulsionen von Siloxanen und Silanen in Wasser. Durch die hohe Viskosität kann die Creme mittels Rolle, Bürste oder Airless-Spritze aufgebracht werden, ohne dass sie abläuft.

c) Imprägnier-Lösungen, lösungsmittelhaltig

Es handelt sich um hochalkylierte Alkoxysiloxane, die sich weder in Alkoholen noch in Wasser lösen oder emulgieren lassen. Sie lösen sich nur in Benzin oder ähnlichen organischen Lösungsmitteln und sind bereits ca. 1970 Stand der Technik gewesen.

d) Imprägnier-Lösungen, wässrig

Wenn das Verkaufsprodukt eine wässrige Lösung ist, wird es sich um Kalium-Methylsiliconate oder Kalium-Propylsiliconate handeln. Diese haben einen recht eingeschränkten Anwendungsbereich. Sie sind die ersten siliciumorganischen Verbindungen auf dem Markt gewesen (ca. 1955).

Organische Lösungsmittel oder wässrige Systeme?

Ein grundsätzliches Unterscheidungsmerkmal ist das Lösungsmittel des Hydrophobierungsmittels. Es gibt zwei Möglichkeiten:
• in Wasser gelöste (Siliconate) bzw. in Wasser emulgierte Produkte (normale Emulsionen und Mikroemulsionen)
• in organischen Lösungsmitteln gelöste Produkte - mit wieder zwei Unterkategorien:
• wasserverdünnbar
• mit organischen Lösungsmitteln verdünnbar

Die in Wasser gelösten Siliconate spielen, wie schon erwähnt, keine große Rolle. Nachteilig sind die hohe Alkalität der Lösungen bei der Anwendung und die Salzabspaltung bei der Reaktion auf der Baustoffoberfläche, die dann häufig zu weißen Ausblühungen (Flecken) führt.

Vergleichende Versuche mit wasserbasierenden und lösungsmittelbasierenden Systemen haben keine grundlegenden Unterschiede bei der Eindringtiefe oder Wirksamkeit ergeben. Nichtsdestotrotz gibt es weniger wirksame Handelsprodukte und besser wirksame Handelsprodukte. Die wichtigen Unterschiede liegen dabei jedoch nicht im Wirkstoff selbst, sondern mehr in der Wirkstoffkonzentration, den Feinheiten der Rezeptur, der dazu passenden, korrekten Anwendungstechnik (u.a. die Häufigkeit der Imprägnierung und der Beschaffenheit des Untergrundes; siehe "Die richtige Anwendungstechnik").

Während die Siloxane, gelöst in organischen Lösungsmitteln, bereits seit ca. 1970 Stand der Technik sind, gibt es die wasserbasierten Produkte erst seit ca. 1990. Zwar verdrängen die wasserbasierten Systeme die lösemittelbasierten langsam, aber ihr deutlich höherer Preises und die Tatsache, dass die lösungsmittelhaltigen Systeme in ihrer Anwendung erst langsam vom Gesetzgeber eingeschränkt wird, bremsen diese Entwicklung noch.

Silane gibt es sowohl als Lösung in Alkohol, als auch in Testbenzin gelöst. Jedoch ist die Wirksamkeit der alkoholischen Lösung (auch auf feuchtem Untergrund) schlechter. Alkohole als Lösungsmittel sollten nur dann eingesetzt werden, wenn bei der Verarbeitung der Kontakt mit Bitumen, Polystyrol (WDVS-Systeme!) oder ähnlichen, lösemittelempfindlichen Baustoffen nicht vermieden werden kann.

Diejenigen Silane, die als Emulsion in Wasser angeboten werden, stehen den in Testbenzin gelösten allerdings nicht generell nach.

Die (oft nur in den Sicherheitsdatenblättern näher spezifizierten) organischen Lösungsmittel lassen übrigens durchaus Rückschlüsse auf die verwendeten Rohstoffe (den Rohstofflieferanten) und damit den Entwicklungszeitpunkt und die Qualität des Produktes zu (altbekannt oder neuentwickelt; gute oder schlechte Langzeiterfahrungen).

Gipsbaustoffe - ein Sonderfall

Gips nimmt eine Sonderstellung ein. Er lässt sich mit den üblichen Hydrophobierungsmitteln so gut wie nicht hydrophobieren. Diese sind nämlich vom Molekülbau her ganz auf die silikatische Baustoffoberfläche abgestimmt. Sie benötigen eine Oberflächenstruktur, die bei Gipsbaustoffen so nicht vorliegt und damit kann die oben in der Grafik angedeutete Bindung an den Untergrund nicht erfolgen.

Eine Ursache dafür, dass Gipshydrophobierung auf so gut wie nie in den technischen Unterlagen der Hersteller auch nur erwähnt wird, ist sicherlich die Seltenheit der Aufgabenstellung: Gips wird im Außenbereich nicht verbaut und wo braucht man schon hydrophobe Baustoffe im Innenbereich?

Antwort: In Feuchträumen natürlich ... aber dort verwendet man mit den Gipskartonplatten und Gipswandbauplatten dann die ab Werk hydrophobierten Platten und die ebenfalls ab Werk mit Hydrophobierungsmittel versetzten Baugipspulver (Kleber, Fugengips). Nachträgliche Hydrophobierung von Gipswerkstoffen ist ein Problemfall.

Wer sich tiefergehend mit der Gipshydrophobierung auseinandersetzen will, dem empfehle ich die Lektüre der Arbeit von Lina Jakobsmeier zur Reaktivität und Wechselwirkungen siliciumorganischer Verbindungen in der Gipsmatrix [3].

Die richtige Anwendungstechnik

Das Ziel ist, gute Wirksamkeit über lange Zeit und ohne negative Nebeneffekte zu erhalten. Der Chemiker ist in der Lage, Verbindungen zu synthetisieren, die diesen Anforderungen entsprechen, soweit es der jeweilige Kenntnisstand und die Grenzen des Machbaren erlauben. Damit alleine ist es dann jedoch noch nicht getan: Die Produkte müssen auch richtig angewendet werden.

Grundsätzlich ist die Wirksamkeit der Imprägnierung um so besser, je höher die Eindringtiefe ist. Unter dem Gesichtspunkt des Preis/Leistungsverhältnisses gesehen. liegt die optimale Eindingtiefe bei normalen Fassaden jedoch nur bei 2 bis 4 mm, während bei Flächen, die einer Frost-Tausalzbeanspruchung ausgesetzt sind (waagerechte Flächen aus Beton , Estrich oder Pflastersteinen), die optimale Eindringtiefe deutlich höher ist (6-8 mm).

Grundsätzlich hängt die erzielbare Eindringtiefe ab von:

• der Saugfähigkeit des zu imprägnierenden Baustoffes und dessen Feuchtegehalt zum Zeitpunkt der Imprägnierung (ebenso dessen chemischer Aufbau, da die chemisch-physikalischen Wechselwirkungen zwischen Baustoff und Wirkstofflösung ganz entscheidende Bedeutung haben)
• der Art des Wirkstoffes (u.a. der Größe der Moleküle, aber auch die chemische Struktur, wegen der eben erwähnten Wechselwirkungen)
• der Konzentration des Wirkstoffes (ein üblicher Wirkstoffgehalt ist 5%; zu viel Wirkstoff schadet eher)
• der Art des Lösungsmittels (je nach Wirkstoff und Untergrundgegebenheiten wechselt das optimale Lösungsmittel)
• der Anwendungstechnik (der Verarbeitungsweise, der Auftragsmenge, der Kontaktzeit, der Anzahl der einzelnen Arbeitsgänge und der Zeitabstände zwischen ihnen)

Wie feucht darf der Untergrund sein?

Eine exakte Angabe, wie feucht der Baustoff sein darf, lässt sich nicht machen. Ein Baustoff, der im Inneren sehr feucht, aber an der Oberfläche relativ trocken ist, kann sich für eine Imprägnierung durchaus eignen. Ein insgesamt gesehen eigentlich trockener Baustoff, der nach einem Regenschauer in der Oberflächenzone jedoch recht nass ist, kann man dagegen nicht imprägnieren. Für die Imprägnierbarkeit ist also der Wassergehalt in der recht dünnen Oberflächenzone ausschlaggebend.

Die heutigen Imprägniermittel sind eigentlich allesamt nicht sonderlich feuchteempfindlich und selbst bei feuchter Witterung verarbeitbar, da der Baustoff in der Regel nach einem Tag ohne Regen bereits oberflächlich wieder ausreichend abgetrocknet ist. Im Zweifel achte man peinlich genau auf die Herstellerangaben im Technischen Merkblatt!

Zum Auftragen eignet sich eine einfache Baumspritze ohne Zerstäuberdüse am besten (besser noch die malerüblichen Airlessgeräte, aber ein solches hat nicht jeder). Mittels Quast (Bürste), Fellrolle oder weichem Pinsel ist die Verarbeitung zwar prinzipiell auch möglich, jedoch ist eine tatsächliche Flutung mit dem erforderlichen Materialüberschuss meiner Meinung nach damit nur bei sehr kleinen Flächen sinnvoll zu erzielen.

Die Arbeitschutz-Hinweise des jeweiligen Herstellers genau durchlesen (speziell beim Spritzverfahren) und auch befolgen. :-)

Bei der Imprägnierung ist eine möglichst lange Kontaktzeit zwischen Baustoff und Imprägnierlösung das Ziel. An senkrechten Flächen ist dazu das Flutverfahren am geeignetsten: Man bringt dabei die Imprägnierlösung möglichst drucklos so auf die Fläche auf, dass diese an der Aufsprühstelle nicht mehr aufgesaugt wird, sondern bis zu einem halben Meter an der Fläche herunterläuft. Dadurch, dass man sich mit der Sprühdüse langsam seitwärts bewegt, wird die gesamte Fläche satt getränkt.

Um größere Eindringtiefen zu erzielen ist ein mehrmaliger Auftrag dringend zu empfehlen. Zweimal kurz (weniger Auftragsmenge) ist besser als einmal lang gespritzt. Es sollte aber immer nass in nass gearbeitet werden, also nicht lange zwischen den beiden Flutungen gewartet werden. Wenn das Lösungsmittel der ersten Flutung in der Zwischenzeit merklich abdunsten kann, ist der Zeitraum zu lang gewählt. Also: Zügig arbeiten und lieber eine große Fläche in viele kleine, einzeln zu imprägnierende einteilen.

Der Abperleffekt und warum er nichts über die Qualität aussagt

Schon kurze Zeit nach dem Auftrag der hydrophobierenden Imprägnierlösung zeigt sich beim Aufsprühen von Wasser der typische Abperleffekt, der optisch sehr eindrucksvoll ist, jedoch letztendlich nichts über die Qualität der Hydrophobierung aussagt.

Anschaulich machen könnte man die Diskrepanz zwischen Schein und Sein sehr schön an einer Markise, auf der sich nach einem kurzen Regenschauer die Wasserperlen deutlich sichtbar sind. Das sieht dann so aus, als sei das Wasser nicht in den Stoff eingedrungen. Doch ist es ratsam, die Markise nicht in diesem Zustand einzurollen. Es könnte sein, dass es mit der Hydrophobierung doch nicht so weit her gewesen ist und man beim nächsten Öffnen eine böse Überraschung mit Stock- und Schimmelflecken erlebt. Bei Senkrechtmarkisen ist dieser Sachverhalt wesentlich komplexer.

Wichtig für die Langzeitwirksamkeit ist einerseits die Tiefenwirkung und andererseits die Alkalibeständigkeit (je nach Untergrund). Man kann sich über die Wirksamkeit sehr leicht täuschen (lassen): Wenn der Abperleffekt ist in den ersten Wochen hervorragend ist, so heißt das noch gar nichts. Die langfristige Wirkung kann vorhanden sein oder auch nicht.

Weit verbreitet auch in privaten Haushalten sind inzwischen Oberflächen im Badezimmer, die hydrophobische Eigenschaften aufweisen. Fliesen, Armaturen oder auch Waschbecken finden sich in den Produktportfolios der Sanitärunternehmen. Auch Duschkabinen Hersteller nutzen die hydrophobische Eigenschaft. Bei vielen Duschkabinen ist der Effekt des abperlenden Wassers besonders augenfällig: Wenn nach der Dusche die Wassertropfen nicht an den Kabinentüren haften bleiben, sondern einfach abperlen. Nicht zuletzt wegen der leichteren Reinigung sind hydrophobierte Oberflächen in den Haushalten auf dem Vormarsch.

Problematisch, weil vom Anwender nicht zu kontrollieren, sind zwei Faktoren: Der Wirkstoff und seine Alkalibeständigkeit sowie der Wirkstoffgehalt, also die Konzentration der Lösung. Ein guter Wirkstoff, aber in zu geringer Menge im Hydrophobierungsmittel enthalten, ist genauso schlecht wie ein schlechter Wirkstoff in ausreichender Konzentration. Hydrophobierungsmittelkauf ist Vertrauenssache!

Angenommen, der Abperleffekt ist anfangs sehr schön ausgeprägt, aber schon nach wenigen Monaten steigt die Wasseraufnahme des Fassadenbaustoffs bereits wieder kontinuierlich an. (Das kann man übrigens durch einfache Wasseraufnahmeprüfungen feststellen - Karsten'sches Prüfröhrchen, siehe unten.) Aber bis man bemerkt, dass man vom Hersteller bzw. Vertreiber über's Ohr gehauen wurde, sind viele Monate seit der Arbeitsausführung vergangen und nachweisen kann man ihm sowieso gar nichts.

Viele Noname-Produkte enthalten viel zu wenig und/oder einen schlechten Wirkstoff für eine nachhaltige Wirksamkeit und trotzdem werden sie immer wieder gekauft - "Sparen am falschen Ende" nennt man das. ;-)

Umgekehrt: Selbst wenn der Abperleffekt schon nach kurzer Zeit verschwunden ist, kann die eigentliche Hydrophobierung, die Reduzierung der kapillaren Wasseraufnahme, noch voll vorhanden sein. Die Ursache für das baldige Verschwinden des Abperleffektes liegt darin, dass die Siliconharze zwar chemisch sehr stabil sind, jedoch von UV-Strahlung recht schnell abgebaut werden.

Schon nach kurzer Zeit in der Sonne werden hydrophobierte Flächen wieder von Wasser benetzt. Die UV-Strahlung der Sonne dringt jedoch nicht in den Baustoff ein und dadurch bleibt der im Inneren befindliche Anteil der Hydrophobierung davon unbeeinträchtigt. Nur die durch Abrieb oder andere mechanische Beschädigung der Oberfläche freigelegten - und damit der UV-Strahlung zugänglich gemachten Bereiche - können angegriffen werden. Aus diesem Grund ist die Eindringtiefe für die Dauerhaftigkeit der Maßnahme so eminent wichtig.

Der Profi prüft das Wasseraufnahmeverhalten einer bereits oberflächlich abgewitterten, ehemals hydrophobierten Fassadenfläche übrigens mittels dieses "High-Tech-Gerätes":

Abbildung: Prüfröhrchen nach Karsten

Prüfröhrchen

Ein graduiertes Glasrohr mit einem kleinem Vorratsgefäß unten dran sowie einer kreisrunden Öffnung (ca. 3 cm im Durchmesser) und Kragrand. Mit Hilfe des kleinen Kragrandes wird das Teil mit einer Art Knetgummi wasserdicht an die Wand geklebt. Es wird mit Wasser gefüllt und nach einiger Zeit der Wasserstand erneut abgelesen. (Auf diesem Foto ist das Wasser eingefärbt, damit man es sehen kann.)

Prüfung der Eindringtiefe

Die Eindringtiefeprüfung kann 30 Minuten nach dem Hydrophobiermittelauftrag erfolgen, indem man eine kleine Stelle mittels Meißel freilegt: Die getränkte Zone zeichnet sich dunkel ab. Sehr genau ist das aber nicht. Besser ist es, die vollständige Entwicklung der wasserabweisenden Wirkung abzuwarten (mindestens 14 Tage; je nach Produkt und Witterung kann es auch noch länger dauern ... Technisches Merkblatt beachten) und erst dann mit dem Meißel eine Stelle freizulegen. Diese Stelle wird dann mit Wasser benetzt und dabei zeichnet sich die hydrophobierte Zone hell ab.

Silikonentferner

Falls trotz Abdeckung der nicht zu imprägnierenden Flächen (Fensterscheiben usw.) Imprägnierlösung an Stellen gelangt ist, wo sie nicht hin sollte: Frische Lösung lässt sich durch Abwischen mit Lappen und Nachwaschen mit reinem Lösungsmittel (natürlich möglichst dem selben, das auch im Imprägniermittel verwendet wird) entfernen. Sobald die Lösung angetrocknet ist, geht das nicht mehr. Für diesen Fall benötigt man spezielle Lösungsmittel, die als "Silikonentferner" angeboten werden. Auf Glasoberflächen funktioniert das ganz gut, aber auf lackierten Fensterrahmen u.ä. kann der Silikonentferner Lackschäden verursachen.

Zusammenfassung und tabellarische Übersicht

Wichtig: Die hier angegebenen Eigenschaften sind nur erste Anhaltspunkte! Auf keinen Fall sind sie höher zu bewerten als die jeweiligen Herstellerangaben für ein spezielles Produkt. Die folgende Katalogisierung soll nur den Überblick über die verschiedenen am Markt erhältlichen Produkte ermöglichen, kann aber nicht alle möglichen Kombinationen und Variationen berücksichtigen.



Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass das ein oder andere Produkt für Gipsbaustoffe doch geeignet ist, steht in der Spalte "Untergrund" oft: "Gips?", mit Betonung auf dem Fragezeichen. Ohne Rückfrage beim Hersteller muss man davon ausgehen, dass Gipsuntergründe mit den jeweiligen Fassadenimprägnierungen nicht hydrophobiert werden kann (siehe den Absatz oben zum "Sonderfall Gipsbaustoffe").

Einen echten Überblick kann diese Tabelle nicht gewähren, lediglich einen Einblick, dafür sind die Produkte zu unterschiedlich und der Kombinationsmöglichkeiten zu viele. Die Auflistung von typischen Handelsprodukte ist selbstverständlich auch bei weitem nicht vollständig und enthält auch nur reine Hydrophobierungsmittel, keine Mischprodukte mit gleichzeitig verfestigender Wirkung (Gemische mit Kunstharzen). Eine Fundstelle für eine Liste der Bautenschutzmittelhersteller ist unten angegeben.

Es gibt Produkte aus vier Jahrzehnten Forschungsarbeit und entsprechend existieren Produkte mit unterschiedlichstem Molekülbau und Eigenschaften. Die Qualitätsunterschiede zwischen "Uralt" Entwicklungen und Neuentwicklungen sind selbstredend himmelweit ... die Qualität sieht man der Lösung jedoch in keiner Weise an, sondern sie stellt sich unter Umständen erst Jahre nach der Anwendung heraus ... hier wird vom Anwender/Käufer viel Vertrauen in den Produzenten/Lieferanten gefordert. Das beste Produkt nutzt aber nichts, wenn es falsch angewendet wird ... die richtige Anwendungstechnik ist entsprechend wichtig.

Die technischen Datenblätter und Sicherheitsdatenblätter enthalten nicht nur wertvolle Angaben zu den Inhaltsstoffen, sondern auch die dortigen Anwendungshinweise sollten unbedingt befolgt werden.

• Wichtige Herstellerangaben, die auf dem Etikett oder in den Unterlagen nicht fehlen sollten, sind:
der Wirkstofftyp (Silan, Siloxan oder Gemische mehrerer ... siehe Tabelle; wird der Typ gar nicht angegeben, ist das kein gutes Zeichen)
• der Wirkstoffgehalt (ist er nicht angegeben, ist es meist auch kein gutes Zeichen)
• der Aromatengehalt bei organischen Lösungsmitteln - er sollte auf jeden Fall kleiner als 0,5% sein (oft steht im Technischen Datenblatt "aliphatische Lösungsmittel", jedoch im Sicherheitsdatenblatt offenbart sich dann ein Gehalt bis zu 10% aromatische Lösemittel; zu den gesundheitlichen Gefahren durch die deklarierungspflichtigen Lösemittel siehe die Gefahrstoffdatenbanken)